Mikroplastik vom Kunststoff-Schneidebrett: Wie viel gelangt ins Essen?
Beim Schneiden auf Kunststoff-Schneidebrettern wird Mikroplastik freigesetzt. Studien haben bestätigt, dass diese Partikel auch auf Lebensmittel übergehen können. Es handelt sich also nicht nur um eine theoretische Möglichkeit. Wie viel Mikroplastik ein Mensch tatsächlich aufnimmt, lässt sich allerdings nicht mit einer einzigen Zahl für jeden Haushalt angeben. [1] [2] [3] [6]
Was Sie vor der Wahl eines Schneidebretts wissen sollten:
- Kunststoffpartikel können direkt in Lebensmittel gelangen. Forschende haben Partikel, die von Kunststoff-Schneidebrettern stammen, in Fleisch und Fisch nachgewiesen. [2] [3]
- Die freigesetzte Menge hängt von den Nutzungsbedingungen ab. Studien zeigen Unterschiede je nach Material, Schneidetechnik und wiederholter Beanspruchung der Oberfläche. [1] [7]
- Dutzende Gramm pro Jahr sind eine modellbasierte Schätzung und keine gemessene Aufnahme. Die häufig zitierten Werte von 7,4–50,7 g für ein Schneidebrett aus Polyethylen und 49,5 g für ein Schneidebrett aus Polypropylen beruhen auf Annahmen der Studienautoren. [1]
- Holz ist eine Alternative, um diese Quelle von Mikroplastik zu vermeiden. Auch von einem Holzschneidebrett können sich Partikel lösen. Diese bestehen jedoch nicht aus Kunststoff. [1]
Wenn Sie Kunststoffpartikel reduzieren möchten, die durch den Abrieb einer Arbeitsfläche entstehen, empfehlen wir Ihnen, ein Holzschneidebrett in Betracht zu ziehen. Damit lässt sich eine bestimmte Quelle von Mikroplastik vermeiden. Ein nachgewiesener gesundheitlicher Vorteil ist damit jedoch nicht belegt. In den folgenden Abschnitten erklären wir, was die einzelnen Studien tatsächlich untersucht haben und wie ihre Ergebnisse richtig einzuordnen sind. [1] [6]
Wie Kunststoffpartikel in Lebensmittel gelangen
Wenn ein Messer mit einer Kunststoffoberfläche in Kontakt kommt, wird diese mechanisch abgenutzt. Beim Schneiden und Schaben können sich kleine Kunststoffpartikel lösen. Forschende haben solche Partikel auf Schneidebrettern und Messern sowie in Lebensmitteln untersucht, die auf Kunststoff-Schneidebrettern zubereitet wurden. [2] [3] [4]
Dass Partikel freigesetzt werden, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie auch gegessen oder vom Körper aufgenommen werden. Partikel, die auf einem Schneidebrett gemessen werden, können nicht ohne Weiteres mit jener Menge gleichgesetzt werden, die tatsächlich in einer Portion landet. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist daher entscheidend, was genau in der jeweiligen Studie gemessen wurde. [6]
Wie viel Kunststoff kann freigesetzt werden?
Eine häufig zitierte Studie von Yadav et al. aus dem Jahr 2023 verglich Schneidebretter aus Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP). Die Forschenden untersuchten verschiedene Schneidetechniken und verglichen außerdem das Schneiden ohne Lebensmittel mit dem Schneiden einer Karotte. [1]
Unter den getesteten Bedingungen setzten Schneidebretter aus PP je nach Gewicht 5–60 % mehr Mikroplastik frei als Bretter aus PE. Bezogen auf die Partikelanzahl lag der Unterschied bei 14–71 %. Beim Schneiden einer Karotte auf einem PE-Schneidebrett wurden mehr Partikel freigesetzt als beim Schneiden der Oberfläche ohne Karotte. [1]
Auf Basis ihrer Ergebnisse und der zugrunde gelegten Annahmen schätzten die Autoren eine mögliche jährliche Exposition pro Person auf 7,4–50,7 g Mikroplastik von einem PE-Schneidebrett und 49,5 g von einem PP-Schneidebrett. Bei der Partikelanzahl nannten sie 14,5–71,9 Millionen Partikel für PE und 79,4 Millionen für PP. [1]
Diese Zahlen dürfen daher nicht als sichere Angabe dafür dargestellt werden, wie viel Kunststoff jede Person, die ein Kunststoff-Schneidebrett verwendet, innerhalb eines Jahres zu sich nimmt. Die Ergebnisse müssen im Zusammenhang mit dem Experiment und den Annahmen der Autoren betrachtet werden und lassen sich nicht automatisch auf jeden Haushalt übertragen. [1] [6]
Was wurde direkt in Lebensmitteln nachgewiesen?
Habib et al. identifizierten in einer Studie zu rotem Fleisch Schneidebretter aus Polyethylen als Quelle von Kunststoffpartikeln. Eine weitere Arbeit untersuchte auch Hühnerfleisch und Fisch. [2] [3]
Der Überblick von Snekkevik et al. fasst für das untersuchte rote Fleisch ungefähr 1–7 Mikroplastikpartikel pro Gramm zusammen. Diese Ergebnisse stammen aus bestimmten Bedingungen bei der Verarbeitung von Fleisch und stellen keinen allgemeingültigen Wert für jedes Lebensmittel dar, das zu Hause geschnitten wird. [6]
Die Studien stützen somit die Schlussfolgerung, dass der Übergang von Kunststoffpartikeln vom Schneidebrett auf Lebensmittel nicht nur theoretisch möglich ist: Unter den getesteten Bedingungen fand er tatsächlich statt. Die Studien allein zeigen jedoch nicht, wie viel Mikroplastik eine einzelne Person langfristig tatsächlich aufnimmt. [2] [3] [6]
Warum sich die Zahlen nicht einfach addieren lassen
Luo et al. untersuchten mithilfe der Raman-Bildgebung Partikel, die beim Schneiden und Schaben eines Kunststoff-Schneidebretts entstehen. Sie schätzten, dass bei einem einzelnen Schnitt 100–300 Mikro- und Nanopartikel pro Millimeter Schnittspur freigesetzt werden können. Es handelt sich also nicht um 100–300 Partikel pro gesamtem Schnitt. [4] [6]
Cole et al. untersuchten die Kontamination von Lebensmitteln bei der Verwendung von Küchengeräten, zu denen auch ein Schneidebrett und weitere Küchenutensilien gehörten. Die Ergebnisse eines solchen Experiments lassen sich daher nicht ohne Differenzierung ausschließlich dem Schneidebrett zuschreiben. [5] [6]
Darüber hinaus verwenden die einzelnen Studien unterschiedliche Methoden, Einheiten und Größenbereiche für die erfassten Partikel. Die Anzahl der Partikel pro Gramm Fleisch, die Menge pro Länge einer Schnittspur und eine modellbasierte Jahresschätzung sind daher nicht unmittelbar miteinander vergleichbar. [6]
Was sagen die Studien über gesundheitliche Auswirkungen?
Gan et al. untersuchten 2025 Mäuse, die mit Futter gefüttert wurden, das auf Schneidebrettern aus PP, PE oder Weidenholz zubereitet worden war. Die Auswirkungen wurden nach 4 und 12 Wochen ausgewertet. Ein Schneidebrett aus Holz diente als Vergleichsvariante. [7]
Bei den Mäusen, deren Futter auf einem PP-Schneidebrett zubereitet worden war, stellten die Forschenden nach 12 Wochen Veränderungen bei Markern für Entzündungen und bei der Darmbarriere fest. In der PE-Gruppe beobachteten sie keine offensichtliche Entzündung, fanden jedoch Veränderungen der Darmmikrobiota und des Stoffwechsels. [7]
Der Vollständigkeit halber ist auch ein Ergebnis der Studie von Yadav et al. relevant: Ein vorläufiger Test mit PE-Mikroplastik zeigte innerhalb von 72 Stunden keine negativen Auswirkungen auf die Lebensfähigkeit von Fibroblasten aus Mäusegewebe. [1]
Warum ein Holzschneidebrett eine Überlegung wert ist
Wenn Sie Kunststoffpartikel reduzieren möchten, die durch den Abrieb einer Kunststoffoberfläche entstehen, empfehlen wir Ihnen, ein Holzschneidebrett in Betracht zu ziehen. Der Grund dafür ist die Vermeidung einer bestimmten Quelle von Mikroplastik und nicht ein Versprechen eines nachgewiesenen gesundheitlichen Vorteils. [1] [6] [7]
Allerdings ist auch ein Holzschneidebrett keine Oberfläche, von der sich keinerlei Partikel lösen. Die Studie von Yadav et al. untersuchte auch die Freisetzung mikroskopisch kleiner Holzpartikel. Holzpartikel und Mikroplastik müssen unterschieden werden. Allein das Vorhandensein von Partikeln reicht nicht aus, um die gesundheitliche Sicherheit eines Materials vollständig zu beurteilen. [1]
Wie Sie auf Grundlage der Ergebnisse entscheiden können
Wenn Sie Mikroplastik vom Schneidebrett reduzieren möchten, ist eine Arbeitsfläche aus Holz eine sinnvolle Alternative zu Kunststoff. Untersuchungen belegen, dass Partikel von den getesteten Kunststoff-Schneidebrettern auf Lebensmittel übergehen können. [2] [3]
Wenn Sie Ihr Kunststoff-Schneidebrett weiterhin verwenden, sollten Sie wissen, dass in der Studie von Gan et al. die Menge des freigesetzten Materials im Verlauf wiederholter Zubereitungszyklen des Futters zunahm. Aus diesem Experiment lässt sich jedoch kein allgemeingültiges Wechselintervall für alle Haushalte ableiten. [7]
Berücksichtigen Sie bei der Auswahl neben dem Material auch die Abmessungen, das Gewicht und die Pflegeanforderungen des jeweiligen Produkts. Wählen Sie ein Schneidebrett, das zu Ihrer Art zu kochen passt und das Sie regelmäßig pflegen können.
Häufig gestellte Fragen
Gelangen tatsächlich Mikroplastikpartikel vom Kunststoff-Schneidebrett in Lebensmittel?
Ja. Studien identifizierten Kunststoff-Schneidebretter als Quelle von Partikeln in rotem Fleisch, Hühnerfleisch und Fisch. Es wurden also nicht nur Partikel gemessen, die auf dem Schneidebrett selbst zurückgeblieben waren. [2] [3]
Wie viel Kunststoff nehme ich über ein Schneidebrett tatsächlich auf?
Die zitierten Studien liefern keine einzige verlässliche Zahl, die für jeden Menschen gilt. Yadav et al. schätzten die mögliche jährliche Exposition auf 7,4–50,7 g Mikroplastik von einem PE-Schneidebrett und 49,5 g von einem PP-Schneidebrett. Dabei handelt es sich jedoch um eine Modellrechnung auf Grundlage der Annahmen der Autoren und nicht um eine direkte Messung der tatsächlich aufgenommenen Kunststoffmenge. [1]
Werden beim Schneiden von Gemüse ebenfalls Partikel von einem Kunststoff-Schneidebrett freigesetzt?
Ja. In der Studie von Yadav et al. wurde auch eine Karotte auf einem Schneidebrett aus Polyethylen geschnitten. Bei diesem Experiment wurden beim Schneiden der Karotte mehr Mikroplastikpartikel freigesetzt als beim Schneiden der Oberfläche ohne Lebensmittel. Das Ergebnis gilt für die getesteten Bedingungen und lässt sich nicht automatisch auf jede Gemüsesorte übertragen. [1]
Gibt es einen Unterschied zwischen Schneidebrettern aus Polyethylen und Polypropylen?
Ja. Unter den getesteten Bedingungen setzten Schneidebretter aus Polypropylen in der Studie von Yadav et al. nach Gewicht 5–60 % und nach Partikelanzahl 14–71 % mehr Mikroplastik frei als Schneidebretter aus Polyethylen. Dieses Ergebnis beschreibt die Freisetzung von Partikeln und nicht die allgemeine gesundheitliche Sicherheit sämtlicher Produkte aus diesen Materialien. [1]
Kann die Freisetzung von Kunststoffpartikeln bei wiederholter Verwendung zunehmen?
Ja. In der Studie von Gan et al. nahm die Menge des freigesetzten Materials während wiederholter Zubereitungszyklen des Futters zu. Die Studie legt jedoch keinen allgemeingültigen Zeitraum fest, nach dem jedes Schneidebrett im Haushalt ausgetauscht werden muss. [7]
Werden auch von einem Holzschneidebrett Partikel freigesetzt?
Ja. Die Studie von Yadav et al. untersuchte auch die Freisetzung mikroskopisch kleiner Holzpartikel. Diese sind kein Mikroplastik. Ein Holzschneidebrett ist daher eine Alternative, um Kunststoffpartikel zu reduzieren, die durch den Abrieb einer Kunststoffoberfläche entstehen. Es ist jedoch keine Oberfläche, von der sich keinerlei Partikel lösen. [1]
Verwendete Quellen
[1] Yadav, H. et al., Cutting Boards: An Overlooked Source of Microplastics in Human Food?, Environmental Science & Technology, 2023, 57(22), 8225–8235. Experimentelle Studie; die Jahreswerte sind Schätzungen auf Grundlage der Annahmen der Autoren.
[2] Habib, R. Z. et al., Plastic cutting boards as a source of microplastics in meat, Food Additives & Contaminants: Part A, 2022. Studie zum Übergang von Kunststoffpartikeln auf Fleisch.
[3] Habib, R. Z. et al., Microplastic Contamination of Chicken Meat and Fish through Plastic Cutting Boards, International Journal of Environmental Research and Public Health, 2022, 19(20), 13442. Studie zu Hühnerfleisch und Fisch.
[4] Luo et al., Studie zur Freisetzung von Mikro- und Nanoplastik aus Schneidebrettern mithilfe der Raman-Bildgebung, Journal of Hazardous Materials, 2022, Artikel 128636. Der Linktext beschreibt den Untersuchungsgegenstand auf Deutsch und ist nicht der Originaltitel der Arbeit.
[5] Cole, M. et al., Microplastic and PTFE contamination of food from cookware, Science of the Total Environment, 2024, 929, 172577. Studie zu Küchengeräten; die Ergebnisse können nicht ohne Differenzierung ausschließlich dem Schneidebrett zugeschrieben werden.
[6] Snekkevik, V. K. et al., Beyond the food on your plate: Investigating sources of microplastic contamination in home kitchens, Heliyon, 2024, 10(15), e35022. Narrative Übersichtsarbeit und kein eigenständiges Experiment. Sie weist auf die eingeschränkte Vergleichbarkeit der Messungen hin.
[7] Gan, H.-J. et al., Simulated Microplastic Release from Cutting Boards and Evaluation of Intestinal Inflammation and Gut Microbiota in Mice, Environmental Health Perspectives, 2025, 133(3–4), 047004. Tierversuch an Mäusen; es handelt sich nicht um eine Studie zu gesundheitlichen Auswirkungen beim Menschen.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel stellt eine Auswahl relevanter wissenschaftlicher Arbeiten dar und ist keine systematische Übersicht der gesamten verfügbaren Literatur. Die Abbildungen wurden von der XinZuo-Redaktion erstellt, um Tests aus wissenschaftlichen Studien anschaulich zu simulieren. Die Empfehlungen zur Auswahl eines Schneidebretts sind eine redaktionelle Einordnung der dargestellten Ergebnisse und keine individuelle medizinische Beratung.
